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„Partikularismus und Universalismus“ Die „Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise ‚Christen und Juden‘“ (KLAK) hielt von 16.-19.1. ihre Jahrestagung und Delegiertenversammlung in Berlin ab. Professioneller Austausch und theologische Fortbildung gingen dabei Hand in Hand. Hauptreferent zum Tagungsthema „Partikularismus und Universalismus“ war Prof. Joel Kaminsky vom Smith College in Northampton, Massachusetts/USA. Die christliche Perspektive trug Prof. Klaus Wengst aus Bochum bei. Hier eine sehr kurze Zusammenfassung ihrer Beiträge: Joel Kaminsky aus jüdischer Perspektive Joel Kaminsky erklärte zunächst, dass mit dem Begriffspaar „Partikularismus und Universalismus“ Denkvorstellungen der Aufklärungsphilosophie durch Biblische Theologie übernommen werden. Dies geschehe meist unter dem Vorverständnis, dass Universalismus mit Toleranz und Inklusion assoziiert werde, Partikularismus mit Ethnozentrismus und Intoleranz. Das Christentum werde mit Universalismus verbunden, weil es die Bekehrung der ganzen Welt betone, während das Judentum mit Partikularismus assoziiert werde. Biblische Texte zeigten jedoch, dass eine solche Systematisierung oder Schematisierung nicht sachgemäß ist. Während im Christentum unterschieden werde zwischen Gläubigen/Ungläubigen bzw. Geretteten/Verlorenen, differenziere das Judentum zwischen dem erwählten Volk Israel, den Nichterwählten und den Feinden der Erwählung bzw. des erwählenden Gottes. Das Judentum knüpfe Rettung nicht an Erwählung und brauche darum auch nicht die ganze Welt zu bekehren. Gerettet werden könnten nicht nur Israeliten, sondern auch Nichterwählte, die „Gerechten unter den Völkern“. Während die Denkweise der Aufklärung auf die Ausbreitung des Universalismus und die Zurückdrängung des Partikularismus ziele, zeigten die Texte der Bibel und der jüdischen Tradition, dass Israel seinen Universalismus gerade durch ein vertieftes Verständnis seiner eigenen Identität gefördert habe. Warum, fragt Joel Kaminsky, gehen wir individualpsychologisch davon aus, dass die Ausbildung des eigenen Selbst zu erhöhter Beziehungsfähigkeit verhelfe, und sozialpsychologisch führe angeblich die Schwächung unserer nationalen und ethnischen Identität zu mehr Respekt anderen Gegenüber? Interessanterweise seien die universellsten Aussagen der Hebräischen Bibel und der rabbinischen Literatur an Stellen zu finden, die Israels besondere Erwählung ausdrückten. Christen und Juden beteten zum Gott Israels. Biblische lassen sich nicht mit neuzeitlichen philosophischen Gedanken vereinen. Tatsächlich sei jede religiöse Tradition partikular, denn keine schließe jeden Menschen ein. Klaus Wengst aus christlicher Perspektive Klaus Wengst teilt Joel Kaminskys Sicht, dass Israel die Völker danach beurteile, ob sie Israel bekämpften wie Amalek oder leben ließen. Die Bibel denke Gott und eine höchst partikulare Geschichte zusammen. So nur gewinne das Reden von Gott in der Bibel Konkretheit. Diese Partikularität werde auch vom Neuen Testament bezeugt und auf Jesus hin gedeutet. Das Evangelium setze die Völker in Beziehung zum Gott Israels. In gewisser Weise werde so der Unterschied zwischen Völkern und Israel vergleichgültigt. An Israels Besonderheit, dem Gott die Treue halte unabhängig von seiner Haltung zum Messias Jesus, werde jedoch auch im Neuen Testament festgehalten, auch endzeitlich. Der Sündenfall der Kirche sei die Behauptung, sie sei das „wahre Israel“. Die Wahrnehmung des Judentums als Israel sei entscheidend dafür, dass das Christentum eine humane Religion werde. Da die Kirche heute nicht mehr aus Juden und Völkern, sondern nur noch aus Völkern bestehe, sei sie selbst partikular und umso mehr auf Israel verwiesen, wenn sie an Gott festhalten wolle: „Freut euch, ihr Völker, mit Gottes Volk“ (Römer 15,10 in Aufnahme von 5. Mose 32,43). Humane Universalität sei nur möglich bei gegenseitiger Achtung alles Partikularen. KLAK-Interna Nach drei Amtsperioden bin ich nicht mehr zur Wahl um den KLAK- Vorsitz angetreten. Zum neuen KLAK-Vorsitzenden wurde Pfarrer Prof. Dr. Klaus Müller aus Heidelberg gewählt. Besuch im Auswärtigen Amt Die KLAK-Delegierten besuchen jedes Jahr eine andere Einrichtung in Berlin, in diesem Jahr anlässlich des 50jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zu Israel das Auswärtige Amt.