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“Praktische Schritte im christlich-jüdischen Verhältnis” Einmal im Jahr treffen sich die Delegierten der landeskirchlichen Arbeitskreise Christen und Juden zur Konferenz in Berlin. In diesem Jahr standen Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. Nachdem ich mich bereits im vergangenen Juni zur Kandidatur bereit erklärt hatte, wurde ich nun für drei Jahre zum KLAK-Vorsitzenden gewählt. Der gesamte fünfköpfige Vorstand wird auf der KLAK-Homepage namentlich und im Foto vorgestellt. Auch ein Gruppenbild aller Teilnehmer/innen ist dort zu finden. Die „Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden“ (KLAK) ist der Zusammenschluss von Arbeitskreisen in den Landeskirchen im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie wurde 1978 mit dem Ziel gegründet, unter ausdrücklicher Ablehnung von Judenmission Begegnungen mit Juden für Glauben und Leben von Christen fruchtbar zu machen, Informationen über das Judentum bereit zu stellen, Judenfeindschaft entgegen zu treten und für den Staat Israel und den Frieden im Nahen Osten einzutreten. Thema der Konferenz waren notwendige praktische Schritte im christlich-jüdischen Verhältnis: „Das christlich-jüdische Gespräch unter die Leute bringen“. Der Direktor der Kölner Melanchthon-Akademie, Marten Marquardt (http://www.melanchthon-akademie.de),  Delegierter der Rheinischen Kirche, bezeichnete das Verhältnis zum Judentum als „alltägliches Querschnittsthema“ für Christen, das, ausgehend vom Lesen der Bibel auch mit jüdischen Kommentaren, alle Bereiche theologischer und kirchlicher Arbeit berühre. Er mahnte, wieder entstehende jüdische Gemeinden in Deutschland „nach Kräften zu unterstützen“. Der Berliner Theologieprofessor Rainer Kampling (http://web.fu-berlin.de/vorlesungsverzeichnis/ss05/gesch- kultur/004007004001001001.html) hob die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte der nach dem Holocaust aus dem christlich-jüdischen Dialog entstandenen „Israel-Theologie“ hervor. Sie habe eine tatsächliche Wandlung im christlichen Glauben bewirkt und das traditionell feindliche Judenbild korrigiert. So habe sie Katholiken wie Protestanten nur Segen und Freude gebracht. Jetzt dürften die Kirchen nicht hinter ihren eigenen Erklärungen zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden zurückbleiben, sondern müssten sie bewähren – nicht nur im Alltag: „Es geht im Letzten um die Frage, für wie wichtig die Kirchen ihr Bekenntnis zu Israel nehmen,“ sagte Kampling. Die kleinen Israel-Zirkel in den Gemeinden seien unverzichtbar für die innerkirchliche Selbstklärung, betonte er. Denn sie übten eine neue Wahrnehmung Israels in der Kirche ein, kommunizierten die Israel-Theologie an der Basis und sorgten dafür, dass die Erinnerungsarbeit einen Ort in den christlichen Gemeinden habe. Besonders wichtig und unerlässlich sei, dass sie jeder Judenfeindlichkeit entgegen träten und für ihr Engagement Bündnisse mit anderen, auch nichtkirchlichen, Gruppen eingingen. Außerdem hob Kampling eine revolutionäre Neuerung in der römisch- katholischen Sicht aufs Judentum hervor. Die Päpstliche Bibelkommission habe geäußert, dass die Schriftauslegung des Judentums unter dem Wort Gottes und der Bezeugung des Heiligen Geistes stehe. Die jüdische Messiashoffnung sei nicht vergeblich. Damit bestätige die katholische Kirche, dass es außer ihr Heilsgewissheit gibt. Weitere Referenten waren Ingrid Schmidt und Helmut Ruppel (http://www.helmut-ruppel.de/buch-veroeffentlichungen), zwei Berliner Pädagogen, die aus über 30 Jahren Erfahrung in der Aus- und Fortbildung von Religionslehrer/innen im Horizont des christlich- jüdischen Gesprächs berichteten. Von dem verstorbenen Friedrich- Wilhelm Marquardt stark geprägt, verfüge die evangelische Religionslehrerausbildung in Berlin über hervorragende Kontakte zur jüdischen Gemeinde. Die Referenten erzählten von Menschen, Methoden und Materialien, die für ihre Arbeit förderlich waren, verschwiegen aber auch nicht zwei besonders kritische Punkte: a) die Israel feindliche Stimmung in vielen Lehrerkollegien und b) den unter ausländischen, vor allem muslimischen, Jugendlichen in Berlin weit verbreiteten Antisemitismus, Sexismus und ihr Lernunwilligkeit, die aus Angst vor dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit von der deutschen Gesellschaft tabuisiert würden. Weitere Referenten waren der Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), Christian Staffa (www.asf-ev.de), und der Gesandte der Israelischen Botschaft, Ilan Mor). Während Mor die Situation in Nahost aus der Sicht der israelischen Regierung darstellte (und zwei Tage vor der Palästinensischen Parlamentswahl 30 % für die Hamas erwartete), berichtete Staffa, wie Freiwillige der ASF ihren Dienst in Israel erlebten und reflektierten. Die Delegierten besuchten die Niederlassung der Chabad Lubawitsch Bewegung in Berlin (http://www.chabadberlin.de/) und wurden durch Rabbiner Yehuda Teichtal  informiert und durch das im Umbau befindliche Gebäude geführt. Sie führten ein Gespräch mit dem Verleger Gerard Minaard, der im Erev-Rav-Verlag die Reihe KLAK- Impulse herausgibt: http://www.erev-rav.de Den Sonntagsgottesdienst feierten wir in der Johanneskirchengemeinde Lichterfelde. Für mich war diese KLAK-Delegiertenversammlung besonders wichtig wegen der persönlichen Kontakte zu den kompetenten Kolleginnen und Kollegen und wegen der konstruktiven und ermutigenden Vorträge und Diskussionen.