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"Zwischen Einheit und Vielfalt: jüdisches Leben in Deutschland" Thema der diesjährigen Delegiertenkonferenz in Berlin (17.-21. Juni) war: "Zwischen Einheit und Vielfalt: jüdisches Leben in Deutschland". Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken, Leiter der Instituts Kirche und Judentum Berlin und in diesem Jahr Träger der Buber-Rosenzweig- Medaille, stellte im Eröffnungsvortrag unter der programmatischen Frage "An einer Grenze?" Überlegungen zur Zukunft des christlich- jüdischen Verhältnisses an. Das wichtigste Ereignis, so sagte er, war die Wiederentdeckung von Römer 9-11. Durch sie wisse die Christenheit, dass die ihr von Christus geschenkte Schrift (Tora, Propheten, Schriften), die Erwählung und die Verheißungen Israel gehören und bei Israel bleiben. Die Kirche hat Israel nicht abgelöst, sondern beide existieren als Partner in Gleichzeitigkeit. Der Referent beklagte, dass es in den Universitäten und Kirchen inzwischen eine Gegenbewegung gegen den christlich- jüdischen Dialog gebe. Dem Verdrängen der schuldhaften Vergangenheit werde mit Verständnis begegnet. Das studentische Wissen vom Judentum sei hart am theologischen Analphabetismus. Besonders die Intifada habe die christlich-jüdischen Beziehungen abkühlen lassen. Für die Zukunft dieser Beziehungen sei es besonders wichtig, dass das Judentum in Deutschland wieder eine Zukunft hat. Grundlage dieser Beziehungen sei die Teilhaberschaft an der selben Bibel. Darum gehöre die Frage nach dem Umgang mit dem "Alten Testament" und seiner doppelten (jüdischen und christlichen) Wirkungsgeschichte zum Zentrum des Aufgabenkreises im Gespräch zwischen Christen und Juden. Besonderes Gewicht haben praktische Projekte: möglichst viele Kontakte im Alltagsleben, in sozialen Aktionen, bei Sport und Spiel; intensivere Begegnungen etwa im Sinne des von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse initiierten deutsch-israelischen Jugendwerks; Wanderausstellungen wie die von den Vereinen "Begegnung von Christen und Juden" in Niedersachsen und Bayern entwickelten, die am Zusammenleben von Christen und Juden vor der Zerstörung zeigen: sie sind ein Teil von uns. Prof. Dr. Stefan Schreiner, Theologe, Religionswissenschaftler und Judaist aus Tübingen, wo vor kurzem ein Hauptfachstudiengang für Judaistik eröffnet wurde, bestätigte durch seine Ausführungen Osten- Sackens These von der gezielten Rückkurbelung des christlich- jüdischen Dialogs. 95 % der Tübinger Judaistikstudierenden seien Nichttheologen. Für Theologen sei ein judaistisches Zweitstudium mit nur sehr schwer zu überwindenden Hürden verstellt. Theologische Studienordnungen gäben kaum Raum für die Beschäftigung mit dem Judentum, Prüfungsordnungen verlangten keinen Nachweis der Kenntnisse vom Judentum (Ausnahme: die Evangelische Kirche im Rheinland). Auf katholischer Seite sei man bei jüdischen Themen wesentlich kooperationsbereiter als auf evangelischer. In Konsequenz aus diesen Ausführungen wird die nächste KLAK- Delegiertenkonferenz im Januar 2006 in Berlin sich beschäftigen mit dem Thema "Das christlich-jüdische Gespräch unter die Leute bringen. Praktische Schritte im christlich-jüdischen Verhältnis". Jüdisches Leben in Berlin Die Delegierten waren auch nach Berlin gekommen, um mehr über das gegenwärtige jüdische Leben in unserem Land und in der Hauptstadt zu erfahren. Günther Bernd Ginzel, Publizist aus Köln, führte zur Einführung zwei seiner Filme über Juden in Berlin vor und stellte sich anschließend der Diskussion. Er sagte, was sich heute im Judentum in Deutschland entwickle, komme ausnahmslos von außen, vor allem aus den USA. Erfolg unter den Einwanderern aus Russland hätten vor allem die reichen, offensiv werbenden Lubawitscher, eine chassidische Gruppe, die ihren verstorbenen Anführer als Messias propagiert - aus jüdischer Sicht eine Häresie. Neue Bewegung ins deutsche Judentum brächten jedoch die Frauen. Rabbinerin Gesa S. Ederberg leitet in Berlin das konservative Masorti- Lehrhaus (www.masorti.de) und praktiziert als Rabbinerin im oberpfälzischen Weiden. Sie gab uns hoch interessante Einblicke in das jüdische Leben in Berlin und in ihre Arbeit als Rabbinerin. Tags darauf beschrieb Jael Botsch-Fitterling, Mitglied im Präsidium der Jüdischen Gemeinde Berlin, die soziale und religiöse Vielfalt in der jüdischen Einheitsgemeinde Berlins (www.jg-berlin.org). Sehr informativ war der Gang durchs jüdische Charlottenburg unter Leitung von Iris Weiß, gemütlich der Abschluss im Café Traitler in der Dahlmannstraße. Ausgesprochen interessant war unser Besuch im Lehrhaus der Lauder- Stiftung bei der Synagoge Rykestraße in Kreuzberg, wo uns der Leiter des straff geführten Instituts, Rabbi Joshua Spinner, über zwei Stunden Rede und Antwort stand (www.rabbinerseminar.de).